Typische Fehler vermeiden
Häufige Fehler bei der DSGVO-Dokumentation und wie Sie diese vermeiden
Diese Seite beschreibt häufige Fehler bei der DSGVO-Dokumentation und wie Sie diese vermeiden.
Verarbeitungstätigkeiten
Fehler 1: Zu granular dokumentieren
Falsch:
- Verarbeitungstätigkeit: E-Mail empfangen
- Verarbeitungstätigkeit: E-Mail lesen
- Verarbeitungstätigkeit: E-Mail beantworten
- Verarbeitungstätigkeit: E-Mail archivierenRichtig:
- Verarbeitungstätigkeit: E-Mail-Kommunikation
└── Umfasst: Empfangen, Lesen, Beantworten, ArchivierenTipp: Dokumentieren Sie auf Prozessebene, nicht auf Einzelaktionsebene.
Fehler 2: Rechtsgrundlage "Einwilligung" überall verwenden
Problem: Einwilligung ist widerrufbar und muss aktiv eingeholt werden.
Falsch:
Lohnabrechnung → Rechtsgrundlage: EinwilligungRichtig:
Lohnabrechnung → Rechtsgrundlage: Vertragserfüllung
(Der Arbeitsvertrag erfordert die Lohnabrechnung)Merke: Einwilligung nur, wenn keine andere Rechtsgrundlage passt!
Fehler 3: "Berechtigtes Interesse" ohne Abwägung
Problem: Art. 6 (1) f erfordert eine dokumentierte Interessenabwägung.
Falsch:
Newsletter an Bestandskunden → Berechtigtes Interesse ✓
(Ohne weitere Dokumentation)Richtig:
Newsletter an Bestandskunden → Berechtigtes Interesse
├── Interesse des Unternehmens: Kundenbindung, Information über Angebote
├── Interesse der Betroffenen: Relevante Informationen erhalten
├── Abwägung: Kunden haben Geschäftsbeziehung, erwarten Kommunikation
├── Schutzmaßnahmen: Einfache Abmeldemöglichkeit, keine sensiblen Daten
└── Ergebnis: Unternehmensinteresse überwiegtFehler 4: Empfänger nicht vollständig auflisten
Falsch:
Externe Empfänger: Cloud-AnbieterRichtig:
Externe Empfänger:
├── Microsoft (Cloud-Hosting, USA, DPF-zertifiziert)
├── DATEV (Lohnabrechnung, Deutschland)
├── Finanzamt (gesetzliche Meldepflicht)
└── Krankenkassen (Sozialversicherung)Fehler 5: Löschfristen nicht zugeordnet
Problem: Jede Verarbeitungstätigkeit braucht eine Speicherdauer und die zugeordneten Anwendungen. Sonst fehlt im Löschkonzept die Löschregel.
Falsch:
Verarbeitungstätigkeit: Bewerbermanagement
├── Zweck: Recruiting
└── Löschfrist: (leer)Richtig:
Verarbeitungstätigkeit: Bewerbermanagement
├── Zweck: Recruiting
├── Speicherdauer: 6 Monate (§ 15 Abs. 4 AGG i. V. m. § 61b Abs. 1 ArbGG)
│ └── Fristbeginn: Abschluss des Bewerbungsverfahrens (Zugang der Absage)
└── Ausnahme: Bei Einwilligung Talentpool bis 2 JahreAuftragsverarbeitung (AVV)
Fehler 6: "Nicht erforderlich" ohne Prüfung
Problem: Vorschnelle Annahme, dass kein AVV nötig ist.
Falsch:
Anwendung: Slack
AVV-Status: Nicht erforderlich
(Begründung fehlt)Richtig:
Anwendung: Slack
AVV-Status: Erforderlich → Unterschrieben
Begründung: Nachrichten enthalten personenbezogene Daten,
Slack verarbeitet diese im Auftrag.
AVV: Online DPA von Slack Technologies akzeptiert am 15.01.2025Fehler 7: AVV von der Homepage verwenden ohne zu prüfen
Problem: Standard-AVVs von Anbietern enthalten oft ungünstige Klauseln.
Prüfen Sie mindestens:
- Ist die Weisungsbindung klar geregelt?
- Sind Subunternehmer aufgelistet?
- Stimmt die Beschreibung der Verarbeitung?
- Sind TOM-Nachweise möglich?
- Ist Löschung nach Auftragsende geregelt?
Fehler 8: Drittlandtransfer ignorieren
Falsch:
Anbieter: Mailchimp
Land: USA
Zusätzliche Maßnahmen: (leer)Richtig:
Anbieter: Mailchimp
Land: USA
Angemessenheit: Data Privacy Framework
DPF-Zertifizierung: Ja (geprüft am 15.01.2025)
Link zur Zertifizierung: https://www.dataprivacyframework.gov/...TOMs
Fehler 9: Nur technische Maßnahmen dokumentieren
Problem: TOMs umfassen auch organisatorische Maßnahmen!
Falsch:
TOMs:
├── Firewall
├── Antivirus
└── VerschlüsselungRichtig:
TOMs:
├── Technisch:
│ ├── Firewall
│ ├── Antivirus
│ └── Verschlüsselung
└── Organisatorisch:
├── Passwortrichtlinie
├── Besucherregelung
├── Clean-Desk-Policy
└── SchulungskonzeptFehler 10: "Geplant" bleibt ewig geplant
Problem: TOMs mit Status "Geplant" werden nie umgesetzt.
Lösung:
- Setzen Sie Umsetzungstermine
- Überwachen Sie den Fortschritt
- Eskalieren Sie bei Verzögerung
TOM: Zwei-Faktor-Authentifizierung
Status: Geplant
Geplante Umsetzung: 31.03.2025
Verantwortlich: IT-Leitung
Fortschritt: Anbieterauswahl abgeschlossenFehler 11: TOMs nicht standortspezifisch betrachten
Problem: Homeoffice hat andere Anforderungen als Büro.
Falsch:
TOM: Zutrittskontrolle
Status: Umgesetzt
(Gilt pauschal für alle Standorte)Richtig:
TOM: Zutrittskontrolle
├── Hauptbüro: Umgesetzt (Chipkartensystem)
├── Homeoffice: Nicht anwendbar
└── Außendienst: Teilweise (Gerätesperre)Löschkonzept
Fehler 12: Nur DSGVO-Fristen beachten
Problem: Steuer- und handelsrechtliche Fristen werden übersehen.
Falsch:
Kundendaten: Löschen bei Inaktivität nach 2 Jahren
(DSGVO-Prinzip der Datensparsamkeit)Richtig:
Kundendaten:
├── Rechnungen: 8 Jahre ab Ende des Kalenderjahres (§ 257 HGB, § 147 AO)
├── Verträge und Geschäftsbriefe: 6 Jahre ab Ende des Kalenderjahres (§ 257 HGB)
├── Übrige Stammdaten: löschen, wenn der Zweck entfällt und keine Pflicht greift
└── Möglicher Anspruch gegen eine bestimmte Person: Sperre mit Begründung und Enddatum
(Art. 17 Abs. 3 lit. e DSGVO); die Verjährung allein ist keine AufbewahrungspflichtFehler 13: Löschung = Deaktivierung
Problem: "Löschen" heißt nicht "verstecken".
Falsch:
Gelöschte Daten werden in einen "Papierkorb" verschoben
und bleiben dort unbegrenzt.Richtig:
Löschprozess:
1. Sofort: Aktiver Zugriff entfernt
2. Nach 30 Tagen: Soft-Delete aus Produktivsystem
3. Nach 90 Tagen: Aus Backups entfernt
4. Dokumentiert: Löschprotokoll erstelltMitarbeitervereinbarungen
Fehler 15: Einmalige Unterschrift reicht
Problem: Vereinbarungen müssen bei Änderungen erneuert werden.
Wann erneuern:
- Wesentliche Änderung der Verarbeitung
- Neue Datenkategorien
- Neue Systeme mit Datenzugang
- Gesetzesänderungen
- Rollenwechsel des Mitarbeiters
Fehler 16: Kein Prozess für Ablehnung
Problem: Mitarbeiter lehnt ab, niemand reagiert.
Prozess definieren:
Ablehnung eingegangen
│
▼
Gespräch mit Mitarbeiter (HR + Vorgesetzter)
│
├── Missverständnis? → Aufklären, neu versenden
│
├── Inhaltliche Bedenken? → Prüfen, ggf. anpassen
│
└── Grundsätzliche Verweigerung?
│
▼
Datenzugang entziehen
│
▼
Arbeitsrechtliche Maßnahmen prüfenAllgemeine Fehler
Fehler 18: Dokumentation ≠ Umsetzung
Problem: Alles ist dokumentiert, aber nicht umgesetzt.
Lösung:
- Regelmäßige Kontrolle durch DSB oder IT-Sicherheit
- Stichprobenartige Tests
- Penetrationstests für technische Maßnahmen
- Interne Audits
Fehler 19: Keine regelmäßige Überprüfung
Problem: Dokumentation wird einmal erstellt und nie aktualisiert.
Kalender einrichten:
| Intervall | Aufgabe |
|---|---|
| Wöchentlich | AVV-Status prüfen |
| Monatlich | Neue Anwendungen erfassen |
| Quartalsweise | Mitarbeitervereinbarungen prüfen |
| Jährlich | Vollständige Revision aller Bereiche |
Fehler 20: Compliance-Score als Ziel statt als Indikator
Problem: 100% Score bedeutet nicht 100% Sicherheit.
Richtig verstehen:
- Score zeigt Dokumentationsqualität
- Score ersetzt keine Risikoanalyse
- Score ist kein Rechtsnachweis
- Score ist ein Hilfsmittel, kein Ziel
Merke: Ein hoher Score bei falscher Dokumentation ist wertlos. Qualität vor Quantität!
Checkliste: Fehler vermeiden
Vor der Erfassung
- Prozess verstanden, nicht nur Tool betrachtet
- Richtige Rechtsgrundlage gewählt
- Alle Empfänger identifiziert
- Drittlandtransfers geprüft
Während der Erfassung
- Vollständige Angaben gemacht
- Speicherdauer und Anwendungen angegeben, Löschregel im Löschkonzept bestätigt
- Nachweise verlinkt/hochgeladen
- Verantwortlichkeiten festgelegt
Nach der Erfassung
- Überprüfungstermin gesetzt
- Betroffene informiert
- Änderungen versioniert
- Export/Backup erstellt